Tagungsbericht

22. Jan. 2019

Gegen 250 Menschen versammelten sich am Freitag, 18. Januar 2019, im St. Galler Pfalzkeller. So wie der futuristische Calatrava-Bau an den uralten Gewölbekeller anschliesst, so wurde auch inhaltlich eine Brücke geschlagen: Zukunftsplanung der Kirche und ein Rückblick auf 50 Jahre SPI-Geschichte passten gut zueinander.

In seinem Eingangsimpuls rückte Rainer Bucher, Pastoraltheologe an der Universität Graz, die aktuellen Planungsfragen der Kirche in den Kontext einer von kapitalistischer Kultur geprägten und durchdrungenen Gesellschaft. Er hielt fest, dass es auch für die Kirche keine «Aussenposition» zu diesem kulturell hegemonialen Kapitalismus gebe. Vielleicht könnte die Kirche aber manchmal das Glück (oder die Gnade) von etwas heilsamer Unordnung erfahren oder erfahrbar werden lassen. Kirchliche Planung sollte jedenfalls darauf abzielen, Räume und Gelegenheiten zu ermöglichen, in denen Menschen befreiende Unordnung spüren können.

Christina Johansson, CFO beim Industriekonzern Bilfinger SE, ging von Planungsprozessen in der Wirtschaft aus und gab viele Hinweise, die auch für kirchliche Planungsarbeit zu berücksichtigen wären. Schliesslich gelangte auch sie zur «Unordnung», zum Phänomen der «Disruptionen», für deren erfolgreiche Bewältigung seitens der Kirche deren traditioneller Ordnungsgehorsam nicht hilfreich sei. Vielmehr bräuchte die Kirche mutige Akteure und Freiraum zum Querdenker(innen)tum.

Die Atelierthemen des Nachmittags wurden vom SPI schon im Vorfeld der Tagung durch eine Umfrage «Wo drückt der Schuh beim Planen in der Kirche» erhoben. Im Blick auf Kontext des Rahmens einer kapitalistischen Kultur liessen sich diese Fragen kreativ bearbeiten: Familienpastoral stärkt Orte, in denen Alternativen zum ökonomischen Nützlichkeitsdenken weite Teile des Alltags prägen; in diakonisch inspirierter Pastoral werden Arme oder Menschen mit Behinderungen zu Anstiftern von Heilserfahrung jenseits des Denkens in Leistungskategorien; Kirchenräume können als sichtbare öffentlich Inseln der Zweckfreiheit menschlicher Existenz Freiheitsräume werden; pastorale Planungs- und Beteiligungsprozesse können dazu beitragen, dass die Nöte und Sehnsüchte der Menschen in den Fokus gelangen …

Das Planen in Kirche und Pastoral hört jedenfalls in einer unübersichtlicher gewordenen Zeit nicht auf – ganz im Gegenteil. Und damit bleibt auch die Arbeit des SPI aktuell (und umfangreich).

Der Abend des Jubiläumstages stand im Zeichen von Geschichte und Geschichten des SPI. In seinem Grusswort skizzierte Martin Gehrer, Administrationsratspräsident, den langen Weg des SPI und signalisierte dem SPI auch für die kommenden Jahre die Unterstützung durch den Katholischen Konfessionsteil des Kantons St. Gallen.

Die Präsentation des Jubiläumsbuches «Die Menschen ins Zentrum stellen. 50 Jahre SPI. Forschen, Beraten und Planen für die katholische Kirche in der Schweiz» ermöglichte anschliessend ganz unterschiedliche Rückblicke auf die Tätigkeit des Instituts. Die ersten beiden Institutsleiter, Kurt K. Helbling und Alois Odermatt, berichteten vom Geist der Anfangsjahre, von Aufbruch, aber auch von Ernüchterungen. Claudia Mennen, die das SPI um die Jahrtausendwende über ihre Mitgliedschaft in der Pastoralplanungskommission erlebte, erzählte von Planungslust und Planungsfrust und auch von den schwierigen Machtkonstellationen, in denen das Planen in der Kirche (zuweilen im Sand) verläuft.

Daniel Kosch, Generalsekretär der RKZ (Römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz) und Bischof Markus Büchel (St. Gallen und Vizepräsident der Schweizer Bischofskonferenz) würdigen ihrerseits das SPI. Daniel Kosch, der auch Bibliker ist, machte deutlich, dass es mit der Schreibstube des Evangelisten Lukas bereits ein erstes SPI gegeben habe, in welchem die Frohe Botschaft schon damals eng auf die Wirklichkeiten der damaligen Zeit bezogen und von dort her formuliert worden sei. Somit müsse der Auftrag des SPI auch heute noch als wesentlich für die Kirche bezeichnet werden. Ein ehrlicher Realitätsbezug gehöre konstitutiv zum Glauben.

Bischof Markus Büchel seinerseits berichtete von seiner persönlichen 50jährigen Geschichte mit dem SPI – von der Ausbildung, der Konzils- und Synodenzeit, über seine Zeit in der Pastoralplanungskommission bis hin zur Zusammenarbeit als Bischof mit dem SPI. Auch (und gerade) wenn die Forschungen des SPI nicht immer zeigten, was man sehen wolle, so seien sie doch wichtig, damit die Kirche in «Freude und Hoffnung, Trauer und Angst» mit den Menschen unserer Zeit verbunden bleibe.

Foto-Impressionen der Tagung